Samstag, 7. Mai 2011

Manchmal steht die Zeit still


An einem herrlichen Sommertag verlässt ein alter Mann seine Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses im Nauwieserviertel in Saarbrücken. Sein Ziel ist der Staden, eine Parkanlage in der Landeshauptstadt, direkt gelegen an der Saar. Sein Weg führt immer hierher sogar an bitterkalten Wintertagen.

Früher als seine Frau noch lebte, hat sie ihn oft begleitet, dann saßen sie bei gutem Wetter stundenlang auf der Parkbank an ihrer Saar.

Leider hat seine Frau ihn vor zwei Jahren für immer verlassen, jetzt ist er nur noch allein mit sich und seinen Erinnerungen.

Die Saar war über viele Jahrzehnte seine Heimat gewesen, schon als kleiner Junge begleitete er oft seine Eltern, vor allem in den Schulferien. Sein Vater fragte ihn meist. „Und Gottfried, was wirst Du von Beruf, wenn Du ein Mann bist?“

Er antwortete dann immer. „Papa, ich werde natürlich Saarschiffer genauso wie Du!“ Sein Vater nahm sich dann meist eine Gitanes aus der Zigarettenpackung und rauchte erst einmal ein paar Züge, ehe er sich dann zu einer Antwort durchgerungen hatte.

„Weißt Du, Gottfried, das wird von Jahr zu Jahr schwerer auf diesem Fluss. Ich habe in deinem Alter noch meinem Vater zugesehen, wie er mit seinen Leuten das Boot entlang des Treidelpfades gezogen hat. Wir hatten zwar Rösser aber die Arbeit mein Junge war dennoch schwer. Ein paar Jahre später hat mein Vater unser Schiff hier gekauft. Wir hatten zwar ein großes Schiff mit einer starken Maschine aber unsere Schulden waren keineswegs gering. Es gab Tage an denen war unser Essenstisch sehr bescheiden.“

Gottfried meinte dann immer. „Papa, die Zeiten ändern sich, heute geht es uns doch viel besser. Wir haben ein Auto. In ein paar Jahren haben wir

eine ganze Schiffsflotte.“

Sein Vater musste dann immer laut lachen und Mutter streckte den Kopf aus der Kombüse und rief.

„Josef, höre mir bloß damit auf, dem Jungen Flausen in die Ohren zu setzen. Du weißt, wie hart wir unser Brot verdienen.“

Der Vater lachte dann meist noch lauter. „Herr Gott, Mariechen, ich versuche es ihm doch auszureden. Der Junge ist halt ein echter Saarschiffer!“

Seine Mutter war dann meist noch wütender. „Josef mache unseren Buben nicht unglücklich. Der soll ein besseres Leben haben.“

Der alte Mann hatte seine Parkbank erreicht und setzte sich mit einem Lächeln nieder.

Seine Mutter war eine Seele von Frau gewesen und sie hatte es wirklich nur gut mit ihm gemeint. Gottfried aber hatte andere Ziele und die hießen, Schiffer werden. Alle Versuche seiner Mutter, ihm eine andere Zukunft auszumalen, waren für ihn undenkbar. Die arme Frau hatte schließlich an jenem Tag verloren, an dem Gottfried für sich die Liebe zu einem Mädel entdeckte.

Unter der Brücke von Sarreguemines geschah dies an einem Sommertag. Sie stand vor dem Schiff ihres Vaters und blickte ihn wütend an. Er hatte sie nicht bemerkt und war gegen ihr Fahrrad gelaufen. Die Einkaufstasche auf dem Gepäckträger des Rades fiel zu Boden. Da lagen nun das Baquette und der Käse und die zerbrochene Rotweinflasche am Boden. Der Schiffer kam zu ihnen und sah sich die Bescherung an. Er blickte zu seiner Tochter und dann zu Gottfried. Dann sprach er.

„Ihr zwei seit mir ein schönes Paar, habt Ihr nur noch Augen für Euch im Kopf oder was ist los?“

Josef kam von seinem Schiff herüber und entschuldigte sich für seinen

Sohn. „Wir ersetzen den Schaden, Monsieur. Ich heiße Josef Wagner“ Der Mann blickte ihn groß an. „Mais oui, Monsieur Josef, weißt Du noch, wie wir damals Schläge von unseren Vätern bekamen, weil uns die Rösser auf dem Treidelpfad fast verloren gingen?“

Josef griff sich an seine Stirn und brüllte. „Mensch, der Jacques Legrand, das ist schon so lange her, ich habe Dich nicht mehr erkannt. Ist das deine Tochter?“ Jacques nickte voller Stolz.

„Das ist meine Lucie.“

Lucie lächelte und es war der schönste Augenblick dieses Lebens für

Gottfried. Ab jenem Tag waren sie unzertrennlich und ihr weiteres Leben stand fest. Sie würden die Tradition der Saarschiffer fortsetzen.

Zwei Jahre später haben sie geheiratet. Im Jahr darauf hatten sie ihr eigenes Schiff, die Lucie. Es war das schönste Schiff auf der Saar und immer tiptop gepflegt und sauber. Bei ihnen konnte ein Besucher sprichwörtlich vom Boden essen. Die ersten Jahre liefen gut, viel zu gut. Sie hatten immer Fracht und schipperten die Saar hinunter über den Saar-Kohle-Kanal zum Rhein-Marne-Kanal und oft führten diese Fahrten ins Ruhgebiet und manches Mal sogar nach Rotterdam.

Gottfried stehen die Tränen in seinen Augen, während die Jugend im Fluss der Tränen erneut vor seinem Auge verwelkt, wie war diese Zeit mit Lucie so schön gewesen. Manchmal aber stand die Zeit auch in dieser Vergangenheit still, wenn das Hochwasser oder extremes Niedrigwasser eine Weiterfahrt verhinderte. Diese Zeiten nutzten sie damals nur für sich, gemeinsam erkundeten sie das Elsass, kletterten durch die Vogesen oder waren in Luxemburg, Belgien, eben gerade, wo ihr Schiff sozusagen gestrandet war, gemeinsam Hand in Hand unterwegs.

Ja, sie hatten ihr Leben genossen und es gab nichts was sie hätten bereuen müssen.

Was dann geschah, konnten sie nicht verhindern, sie hatten in der schweren Zeit noch großes Glück gehabt. Es war ihnen gelungen die beiden Schiffe der Eltern zu verkaufen und nach deren Tod war noch genügend geblieben, um nicht mittellos zu werden. Die schönen Zeiten hatten sich gewandelt, es kam die Stahlkrise.

Die Stahlkocher wurden von ihren Hochöfen weggespült und die Frachtraten gingen dramatisch zurück. Das schwarze Gold wurde auch immer weniger und am Ende waren sie froh, wenn sie wenigstens noch gerade so über die Runden kamen.

An einem Sonntagmorgen saßen sie auf dem Saar-Kohle-Kanal fest mit einem Maschinenschaden. Lucie nahm es gelassen, deckte den Frühstückstisch und meinte sie müssten eine Entscheidung treffen.

Gottfried hatte sich vor diesem Augenblick gefürchtet.

Lucie ließ keinen Zweifel aufkommen, es war an der Zeit der Saar-Schifffahrt „lebe wohl“, zu sagen. Für Gottfried war dieser Sonntagmorgen hart. Eine Wasserratte war nun einmal keine Landratte.

Am Ende aber siegte die weibliche Vernunft und die Erkenntnis, dass es keinen Sinn ergab, die Ersparnisse für das Alter in eine ungewisse Zukunft zu stecken. Sie verkauften ihr Schiff und zogen in die Stadt.

Es war Lucie, die unbedingt eine preiswerte Wohnung wollte. Wussten sie, was noch kommen sollte? So zogen sie in das Nauwieserviertel, statt eines Autos, gab es zwei Räder und ansonsten fuhren sie mit den Straßenbahnen im Saartal. Er war stolz eine so kluge und bescheidene Frau an seiner Seite zu wissen.

Gottfried schaut auf seinen Fluss und könnte er die Zeit noch einmal durchleben, die Zeit würde länger stehen bleiben in den guten Jahren. Nein, da ist kein Groll, er hat eine sehr gute Frau gehabt, nur die Zeit ihres gemeinsamen Lebens war zu kurz und seine Zeit allein vielleicht zu lang. Langsam erhebt er sich von der Bank, ein paar Schritte hin zum Fluss. In einer Plastiktüte hat er wie so oft Brotreste. Er wirft sie in hohem Bogen den Enten in der Saar zu. Einige Minuten schaut er noch dem Treiben im Wasser zu, dann wendet er sich ab.

Sein Weg führt ihn zurück, in seine einsame Wohnung. Seine Brust aber ist voller Stolz, er war schließlich ein echter Saarschiffer, einer von dem alten Schlag. Seine Liebe zur Saar ist nie erloschen genauso wenig wie die Liebe zu seiner Lucie. Darum wird er auch Morgen wieder auf seiner Bank an der Saar im Staden sitzen, allein und seine Gedanken werden eintauchen in seine gute alte Zeit.

© Bernard Bonvivant, Schriftsteller, Germany

Autor des Romans „Das Chaos“

Mittwoch, 4. Mai 2011

Ein Zwerg will wachsen - Humor -


Kommt ein Zwerg in die Bank und sagt zum Bankangestellten:„Ich möchte wachsen!“

Sagt der Bankangestellte:„Das geht nur mit Kapital!“

Meint der Zwerg:„Wenn ich einmal Kapital habe, dann wirst Du genauso klein wie ich heute!“

Entgegnet der Bankangestellte:„Mit der Aussage bei uns können sie wachsen, damit meinen wir doch die Zinsen.“

Enttäuscht nickt der Zwerg: „Ich wusste die Sache hat einen Haken.“


© Bernard Bonvivant, Schriftsteller, Germany

Autor des Romans "Das Chaos"

Freitag, 22. April 2011

Osterüberraschung im Ostertal

Osterüberraschung im Ostertal

Ein Märchen von Bernard Bonvivant

Frieda sammelte die Eier in den Weidenkorb und er war bald randvoll gefüllt. Ihr Herz hüpfte vor Freude, es würde viele Ostereier geben, Eierlikör und eine Menge Kuchen konnte sie backen und nicht zu vergessen ihr berühmter Eiersalat. Zufrieden machte sie sich auf den Weg zu ihrem Haus. Sie pfiff ein lustiges Lied. Plötzlich stolperte sie auf dem Weg und fiel auf den Boden, der Weidenkorb entglitt ihren Händen und die Eierpracht ergoss sich auf den Boden.

Alle Eier waren kaputt und nun floss das Eiweiß vermischt mit dem Eigelb über den Gartenpfad. Frieda setzte sich in das Gras und schaute verzweifelt auf die Bescherung. Tränen kullerten die Wangen herab.

Um die Ecke kam Otto auf seinem Fahrrad sitzend, gleich einem Pfeil geschossen und stoppte kurz vor dem Eiermatsch. „Ach her je, das ist aber kein schöner Anblick!“ Frieda weinte nun hemmungslos und schluchzte. „Damit ist Ostern ins Wasser gefallen! Wo soll ich jetzt neue Eier herbekommen?“

Otto stellte sein Fahrrad auf dem Weg ab, setzte sich neben Frieda und nahm sie tröstend in den Arm. „Frieda, Schwesterchen, wer wird da so verzweifelt sein? Für alles gibt es eine Lösung.“ Frieda schüttelte den Kopf. „Jungs haben immer nur dumme Sprüche auf Lager.“ Otto nahm es ganz gelassen. „Wieso? Ich besorge dir ganz schnell neue Eier.“ Die Schwester tätschelte seinen Arm. „Du Großmaul! Heute ist Gründonnerstag, da kriegst du nirgends mehr frische Eier!“ Otto ganz bei seiner Ehre gepackt, meinte dazu nur. „Du wirst schon sehen, ich bekomme Eier.“ Frieda sagte zweifelnd. „Daran kannst nur du Osterhase glauben. Viel Spaß beim Eiersuchen.“

Otto schnappte sich den Weidenkorb, befestigte ihn auf dem Gepäckträger seines Rades und machte sich auf die Socken. Auf dem ersten Bauernhof lächelten sie ihn mitleidig an, der zweite Bauer lachte ihn schallend aus und der dritte Bauer zeigte ihm seine leeren Hände. Am Ende des Dorfes lag der Hof vom alten Ludger. Normalerweise traute sich hier kein Mitbewohner des Ortes hin. Der alte Bauer begrüßte seine Gäste mit der Schrotflinte in der Hand. An diesem Tag arbeitete er in seinem Bauerngarten mit dem Spaten in der Hand. Er blickte kurz auf, um zu schauen, wer da ungefragt mit seinem Fahrrad auf seinen Hof fuhr. Dann zog er sein Taschentuch aus der Hosentasche und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Wenig freundlich murmelte er. „Was willst du Langohr von mir, du Lümmel von der anderen Seite des Tals? Soll ich dir deine Eselsohren noch länger ziehen?“ Otto sprach mutig. „Ich habe keine Eselsohren!“ Ludger entgegnete. „Du musst Eselsohren haben, weil du ein Esel bist, kein normaler Bewohner dieses Tales würde es wagen meinen Hof zu betreten. Alle haben Angst vor meiner Schrotflinte.“ Otto hatte nicht die geringste Lust auf eine lange Auseinandersetzung und so erzählte er ohne Punkt und Komma, die ganze Geschichte. Ludger hingegen hörte aufmerksam zu. Er kratzte sich am Hinterkopf und meinte. „Weißt du mein Junge, die Angelegenheit ist sehr ernst und Ostern ohne Eier, das ist einfach undenkbar. Leider habe ich auch keine Eier mehr, ich wüsste aber wer noch Eier im Überfluss hat.“ Otto war sprachlos und seine Knie wurden weich. Ludger sprach derweil weiter. „Tief im Wald auf einer Lichtung steht die Hütte des Meisters Reineke. Der üble Schurke hat in den letzten Tagen viele Eier aus unserem Ort getragen. Er versteckt sie in seiner Hütte. Du solltest ihn um die Eier bitten, sei aber vorsichtig, der Kerl ist mit allen Wassern gewaschen.“

Otto setzte sich auf sein Fahrrad und radelte in den Wald, über die Hauptwege, die Nebenwege und Trampelpfade gelangte er zu der Lichtung. Reineke lag gemütlich in einem Liegestuhl vor seiner Hütte und hob kurz den Kopf. „Schau an! Schau an! Der Otto hat sich wohl verfahren. Soll ich dir Fersengeld geben?“ Mutig stieg Otto von seinem Fahrrad ab und sprach. „Nein! Gib mir lieber die Eier, welche du in deiner Hütte versteckt hast.“ Reineke hob seinen Kopf an und blickte mit großen Augen auf den Jungen. „Wie kommst du zu der Annahme, ich würde in meiner Hütte Eier verstecken? Blödsinn! Was soll einer wie ich schon mit Eiern anfangen.“ Otto hatte die Nase voll und so erzählte er ohne Komma und Punkt, seine Geschichte. Reineke erhob sich von seinem Liegestuhl und überlegte. „Für das Ostertal bedeutet es eine Katastrophe, wenn Frieda an Ostern keine Eier färbt, keinen Eiersalat macht, es keinen Eierlikör gibt und an die feinen Backwaren will ich schon gar nicht denken.“ Otto atmete auf. „Dann ist ja alles klar!“ Er nahm seinen Weidenkorb und hielt ihn dem Meister Reineke unter die Nase.

Der hob seine Hände abwehrend und meinte. „Nicht so schnell, mein junger Freund, für mich muss bei dem Geschäft auch eine Rendite herausspringen. Habe ich keine Eier zu Ostern, so möchte ich wenigstens eine Gans. Bringst du mir die Gans, gebe ich dir die Eier, so macht man Geschäfte.“

Otto stöhnte mächtig. – Wo nimmt er eine Gans her, wen nicht sogar stehlen? –

Er setzte sich auf sein Rad und fuhr über die Trampelpfade, die Nebenwege über die Hauptwege zurück in das Dorf. An jedem Haus hielt er an, doch niemand gab ihm freiwillig eine Gans und schon gar nicht für Meister Reineke. In seiner Verzweiflung hielt er am Dorfteich an und setzte sich auf eine Bank, blickte griesgrämig auf den Teich und murmelte. „So ein Pech aber auch, jetzt ist Ostern wohl doch gelaufen.“

Die Fee Mariechen hörte seine Worte und setzte sich neben ihn. „Hallo mein Freund, was hast du für Probleme an einem solch schönen sonnigen Tag.“ Otto erzählte seine Geschichte und es sprudelten die Worte aus ihm hervor, einem Wasserfall gleich. Am Ende lächelte ihn Mariechen an. „Währest du gleich zu mir gekommen, ich hätte dir sofort geholfen. Eine Gans, das ist doch kein Problem. Die kannst du von mir bekommen. Folge mir.“

Staunend folgte Otto der Fee in einen Schuppen und dort hing tatsächlich eine Gans an einem Balken. Die Fee zeigte auf das Tier. „Diese Gans hat mein Opa, der Zauberer Heiner, heute Morgen geschlachtet. Eigentlich sollten wir den Braten an Ostern auf unserem Tisch haben, doch für das Ostertal, da ist es den Verzicht wert.“ Otto blickte sprachlos auf die Gans und dann wieder auf die Fee. Mariechen nickte nur grinsend. Der Junge hängte die Gans vom Balken ab, da sprach eine Stimme aus dem Schatten. „So, so, und mich fragt wieder keiner.“ Erschrocken blickte Otto in die Ecke, aus der die Stimme kam. Opa Heiner schlurfte mühsam zu ihnen herüber. „Tja Kinder, das ist alles sicher rührend nur meinen knurrenden Magen wird es zum Feste wohl kaum besänftigen können.“

Otto verstand sofort. „Das ist doch vollkommen logisch, ihr seit an Ostern unsere Gäste.“ Der alte Zauberer lächelte. „Angesichts dieser Nachrichten spricht wohl nichts mehr dagegen, nimm die Gans, bringe sie dem Meister Reineke und lass dich von dem Schuft nicht über das Ohr hauen.“

Das brauchte er Otto nicht zwei Mal zu sagen. Der machte sich auf den Weg zu besagter Hütte mitten im Wald. Meister Reineke staunte nicht schlecht über die Gans und entgegen seiner Art packte ihn sogar die Ehrlichkeit. Er packte den Weidenkorb randvoll mit frischen Eiern.

Frieda hingegen machte ganz, ganz, große Augen ihr Herz hüpfte voller Freude. Sie färbte Eier, machte ihren berühmten Eierlikör, den Eiersalat und zauberte hingebungsvoll die tollsten Kuchenkreationen.

Am Ostersonntag saßen der Heiner, das Mariechen, der Otto und die Frieda an der köstlich gedeckten Tafel auf der Terrasse. Man wird es kaum glauben, aber der Ludger kam auch und war ganz friedlich.

Im Ostertal waren die Freude und der Frieden eingekehrt und die Sonne strahlte mit den bunten Eiern um die Wette. Die Bienen summten munter umher und sangen bereits das Lied des nahenden Mai. Meister Reineke schnarchte hochzufrieden mit vollem Bauch auf seinem Liegestuhl liegend. So hatte das Ostertal am Ende doch noch seine Osterüberraschung und zum Dank dafür erhielten die Kinder dieser Welt auch in diesem Jahr ihre bunten Osternester.

© Bernard Bonvivant, Schriftsteller, Germany


Autor des Romans "Das Chaos"

Sonntag, 10. April 2011

Mit der Hand schreiben macht schlau oder was mache ich jetzt mit meinem Computer?



Mit der Hand schreiben macht schlau oder was mache ich jetzt mit meinem Computer?

Für alles hat der Mensch eine Erklärung, und wenn er keine hat, dann macht er sich eben eine Erklärung. Das macht auch Sinn, wie wollten wir ansonsten die Welt verstehen. Ob die Erkenntnis am Ende dann stimmt, erfahren wir spätestens, wenn unsere Erkenntnis sich in Rauch auflöst.

Am Anfang waren es die Läufer, dann die berittenen Kuriere, danach das Zeitalter der Morsezeichen und spätestens mit dem Telefon verbreiteten sich die Nachrichten wie ein Lauffeuer. Zu unserem Glück war es kein brennbares Lauffeuer. In der heutigen Zeit wären wir ohne Computer echt aufgeschmissen. Wer sollte uns noch informieren, bilden, unterhalten und versorgen?

Es würde schlichtweg heißen: Wir verhungern und verdursten!

Das ist die eine Seite der Medaille, die andere Seite führt offenbar in die Steinzeit zurück.

Das glauben Sie nicht, ich auch nicht! Aber die Wissenschaft hat festgestellt, von Hand schreiben schlaumacht.

Ich habe mir vorsorglich gleich vier Füllfederhalter bestellt und jede Menge Patronen. Ich meine keine Platzpatronen, sondern eben Tintenpatronen. Im Zeitalter der Revolution muss man schließlich Farbe bekennen.

Eine Universität in Norwegen hat immerhin an 126 Personen (Kinder, Erwachsene) eine Studie durchgeführt. Jene Personen, die mit der Hand schrieben, schnitten bei diesem Test wesentlich besser ab als die Personen, welche mit dem Computer geschrieben hatten.

Die Begründung scheint interessant. Mit der Hand schreiben macht schlau, weil das Sprachzentrum des Gehirns eher anspringt.

Okay! Was mache ich jetzt mit meinem Computer? Keine Ahnung! Ein Licht geht mir aber schon noch auf. Meinen nächsten Beitrag schreibe ich erst einmal von Hand. Vielleicht werde ich dann ja schlauer.

© Bernard Bonvivant, Schriftsteller, Germany


Autor des Romans "Das Chaos"

Freitag, 25. Februar 2011

Das Leben dem Teufel in die Hände gelenkt

Das Leben dem Teufel in die Hände gelenkt

Wäre ich ein Vogel, ich könnte fliegen.

Nicht zu den Wolken, nein, zu den Sternen.

Hinweg aus dem Meer der bösen Zungen,

endlich frische Luft in den Lungen.

Leider keine Chance zu entfliehen,

festgehalten im Würgegriff auf Erden.

Der Teufel geht schon wieder um,

verdorbene Erde, verbranntes Fleisch.

Der Hass schlägt unbarmherzig mir entgegen,

der neue Ort des Lebens scheint weit entlegen.

Die Wut bricht grenzenlos über mir herein,

so bin ich verloren und Mutterseelen allein.

Was einst mit Stolz und Freude vollbracht,

jetzt in einer einzigen Nacht umgebracht.

Brachiale Gewalt, sinnlose Zerstörung,

flammendes Inferno, grelle heiße Glut.

Ein Meer aus Blut hat die Äcker getränkt,

das Leben dem Teufel in die Hände gelenkt.

Ist es so schwer in Frieden zu leben?

Ist es so schwer von Herzen zu lieben?



© Bernard Bonvivant, Schriftsteller, Germany

Autor des Romans:

Das Chaos